10. November 2019

BRANCHENAUSNAHME FÜR DAS BÄCKERHANDWERK GEFORDERT

Bonpflicht | Pixabay
Bonpflicht | Pixabay
MÜLLBERGE VON BONS AB 01.01.2020 IN SÄCHSISCHEN BÄCKEREIEN: EINE PAPIERSCHLANGE VON DRESDEN NACH LEIPZIG

Mit der neuen Kassensicherungsverordnung werden Bäckereien ab 2020 verpflichtet jedem Kunden zu jedem Einkauf den Kassenbon auszuhändigen. Das ergibt bei durchschnittlich 585 Kunden pro Fachgeschäft am Tag bei rund 1000 backenden Betrieben in Sachsen einen Bonmüll von ca. 117 km - eine Papierschlange von Dresden nach Leipzig.

Dazu erklärt Roland Ermer, Landesobermeister des Landesinnungsverbandes Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen:

„Das Bürokratiemonster schlägt wieder zu. Die sogenannte „Belegausgabepflicht" ist eine weitere unnötige Gängelei unserer Bäcker. Schätzungsweise 90 Prozent der Kassenbons werden auf den Theken liegen bleiben und somit im Müll landen. Nachhaltiges Wirtschaften sieht anders aus. Auf der einen Seite sind wir als Betriebsinhaber durch die Verpackungsverordnung angehalten Verpackungen zu reduzieren und gleichzeitig steigern wir mit den Zwangbons den Papiermüll – hochgerechnet ca. 117 km Papier in Sachsen pro Tag. Das ist Irrsinn.", so Roland Ermer.

Keineswegs werde das grundsätzliche Ziel der Kassensicherungsverordnung - nämlich den Betrug mit der Umsatzsteuer zu minimieren - in Frage gestellt. Vielmehr solle die Verhältnismäßigkeit bei der Gesetzgebung für Handwerksbetriebe berücksichtigt werden. Die entsprechenden Angaben werden in der Kasse sowieso gespeichert.

Ärgerlich sind darüber hinaus die Mindestanforderungen, die für einen Bon gelten: Seriennummer des elektronischen Aufzeichnungssystems, Betrag, Steuerbetrag und eine fortlaufende Transaktionsnummer sind nur einige Beispiele, die auch die Kunden nicht interessieren.

Geschäftsführerin Manuela Lohse ergänzt: „Die Bäckereiinhaber werden im wahrsten Sinne des Wortes zur Kasse gebeten. Es ist ärgerlich um die Zeit, die sich die Chefs nehmen müssen, um sich wieder einmal mit einer Gesetzesanpassung auseinandersetzen zu müssen. Zeit, die beim Backen und Verkaufen fehlt. Deshalb fordern wir seitens der Politik Entlastung und Ausnahmeregelungen für Handwerksbetriebe statt weitere bürokratische Auflagen. Ein vernünftiger Schritt könnte die Genehmigung der Befreiungsvorschrift durch die Finanzverwaltung sein.", so Manuela Lohse.

Das Gesetz sieht Ausnahmemöglichkeiten vor. So können bei einem Verkauf von Waren an eine Vielzahl von nicht bekannten Personen die Finanzbehörden aus Zumutbarkeitsgründen von der Belegausgabepflicht auf Antrag befreien. Bislang hat allerdings kein Handwerksbäcker eine Befreiung erhalten.

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